Warum den Bäumen eine Stimme geben?

Manchmal beginnt etwas mit einer Nachricht, die einen nicht mehr loslässt. Bei uns war es die Nachricht über mögliche Fällungen in der Birkenallee in der Wienerstraße in Waidhofen an der Thaya. Bäume, die seit Jahrzehnten zu diesem Ort gehören, standen plötzlich zur Diskussion. Und damit eine Frage, die uns seither begleitet: Wie selbstverständlich nehmen wir hin, dass gewachsene Natur aus unserem Lebensumfeld verschwindet?

Wir, Alexandra und Manuela, wollten genauer wissen, was mit diesen Bäumen geschehen soll.

Aus diesen Fragen wurde am 28. September 2026 die Initiative Baumstimmen Waldviertel. Wir hatten keinen fertigen Plan. Aber wir hatten das gemeinsame Gefühl, dass uns das etwas angeht. Also begannen wir - zuerst miteinander zu reden und dann auch mit anderen Menschen zu sprechen, Informationen zu suchen, Fragen zu stellen und uns zu vernetzen. Das Tun ergab sich aus einer Selbstverständlichkeit heraus: Es wurde zu einer Herzensangelegenheit, wie es so schön heißt.

Was uns bewegt, ist unsere tiefe Verbundenheit mit der Natur, mit dem Waldviertel und mit dieser schönen Welt, auf der wir leben dürfen. Dabei war der Ruf unserer Seele so deutlich, dass wir gar nicht anders konnten, als ihm zu folgen und aktiv zu werden.

Die Landschaft des Waldviertels um uns herum prägt unseren Alltag und beeinflusst, wie wir uns an diesem Ort fühlen. Eine Allee prägt einen Weg, manchmal über ein ganzes Menschenleben hinweg. Ihre Bäume sind da, wenn wir morgens vorbeifahren, wenn wir spazieren gehen, wenn die Jahreszeiten wechseln. Oft bemerken wir erst, wie viel uns dieses vertraute Bild bedeutet, wenn es zu verschwinden droht. Vielleicht liegt genau darin ein Teil des Problems: Bäume sind so selbstverständlich da, dass wir ihnen wenig Aufmerksamkeit schenken. Sie wachsen über Jahrzehnte, spenden Schatten, bieten Lebensraum und machen unsere Umgebung angenehmer. Zugleich werden sie im Alltag häufig dann zum Thema, wenn ihr Laub Arbeit macht, ihre Wurzeln Platz beanspruchen oder ihre Pflege Geld kostet. Wir wünschen uns, dass wir Menschen auch das, was sie täglich für unser Leben beitragen, mit derselben Aufmerksamkeit betrachten.

Natürlich gehört auch die Sicherheit der Menschen dazu. Es kann notwendig sein, einen Baum zu fällen. Gerade weil eine solche Entscheidung unumkehrbar ist, braucht sie nachvollziehbare fachliche Grundlagen, Sorgfalt und die Prüfung möglicher Alternativen. Wir möchten verstehen können, warum ein Baum weichen muss und ob versucht wurde, ihn zu erhalten.

Auch Nachpflanzungen sind wichtig. Doch zwischen einem jungen Baum und einem über Jahrzehnte gewachsenen Baum liegt Zeit, die sich nicht abkürzen lässt. Deshalb gehören für uns das Pflanzen neuer Bäume und die Pflege der bestehenden untrennbar zusammen.

Initiatorinnen “Baumstimmen Waldviertel”

Mit der Birkenallee hat unser Engagement einen konkreten Ausgangspunkt gefunden. Die Fragen dahinter reichen aber weiter: Wie wollen wir unsere Städte gestalten? Wie viel Raum geben wir anderen Lebewesen? Wie können wir das Klima schützen und unsere Lebensräume auf die zunehmende Hitze vorbereiten? Was möchten wir den Kindern hinterlassen, die heute hier aufwachsen? Und wie können wir Entscheidungen so treffen, dass auch die Bedürfnisse kommender Generationen darin Platz haben?

Eine lebenswerte Welt für alle entsteht für uns dort, wo wir unsere Verbundenheit mit Menschen, Tieren, Bäumen und allem Lebendigen fühlen und aus diesem Gefühl heraus handeln. Wir Menschen sind Teil der Natur. Unser Wohlbefinden hängt auch davon ab, ob um uns herum etwas wachsen, leben und sich entfalten darf. Dazu gehören Bäume, Tiere, lebendige Böden und Orte, an denen Menschen gerne zusammenkommen. Dazu gehört ebenso eine Gesprächskultur, in der Fragen willkommen sind und gemeinsames Nachdenken möglich bleibt. Mit Baumstimmen Waldviertel möchten wir Menschen zusammenbringen, die diese Haltung teilen. Menschen mit Fachwissen und Menschen mit Ideen, Menschen mit Erfahrung und Menschen, die gerade zum ersten Mal spüren: Hier möchte ich etwas beitragen. Wir möchten voneinander lernen und gemeinsam Möglichkeiten finden, unsere Umgebung fürsorglich mitzugestalten.

Begonnen hat alles mit der Sorge um eine Birkenallee. Daraus wächst der Wunsch, dem, was uns täglich umgibt und unser Leben trägt, mehr Aufmerksamkeit und Liebe zu schenken. Der Name Baumstimmen Waldviertel steht für diesen Wunsch: Bäume sollen in den Entscheidungen über unsere gemeinsame Zukunft Gewicht bekommen. Dabei lassen wir uns von Verstand, Bauchgefühl und Herz leiten – weil Wissen, Intuition und Mitgefühl für uns zusammengehören.

Wir haben angefangen, weil uns diese Bäume etwas bedeuten und wir Bäume lieben. Und weil wir daran glauben, dass aus der Verbundenheit mit der Natur die Kraft entstehen kann, etwas zum Guten zu bewegen.

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Warum wir ein Baumschutzgesetz brauchen.